Jaja, politisch schießt das natürlich wieder etwas über das Ziel hinaus und so naiv ist ja sowieso niemand und dennoch, oder gerade deswegen, ein wunderbarer Clip. Gemacht von Musclebeaver für Greencity-Energy.
Erste Episode des Elektrischen Reporters nach der Sommerpause. Diesmal gehts um die deutsche Wahlkampfmaschinerie in Politik und Medien:
“Der Elektrische Reporter steigt hinab in die digitalen Maschinenräume der Kampagnen. Er trifft alt eingesessene Demoskopen, junge Berater, die vom Obama-Wahlkampf gelernt haben, und “Social Media Writer”, die dabei sind, in sozialen Netzwerken wie Facebook eine neue Art der PR zu formen. Die über allem schwebende Frage lautet: Warum ist der Wahlkampf eigentlich wie er ist?”
Egal wie selbstverliebt sich die Stadt Mainz immer wieder als Studentstadt anbiedert und ihre Leichtlebigkeit vor allem während der Karnevalszeit betont, was kultur- und jugendpolitisch hier passiert kann wohl mehr als konservativ bezeichnet werden. Das moderne Stadtmarketing machts möglich und so wird Sub- und Alternativkultur quasi an jeder Ecke ein Riegel vorgeschoben um das selbstererwählte Image einer sauberen, sicheren und geordneten Stadt aufrechtzuerhalten. Der Mangel an geeigneten Locations, der von der Stadtverwaltung durch rigorose Auflagen streng beschränkt wird ist wohl nur einer der Aspekte.
Mit seiner Aktion Verbieten Verboten versucht nun der Mainzer gONZo Verlag diesen Zustand zu kommentieren:
“Da es in unserem ansonsten schönen Städtchen erheblich an Verboten mangelt*, haben wir vom gONZo verlag vor einigen Wochen beschlossen, gegen dieses schwere Defizit vorzugehen. Und zwar in Form von Verbotsaufklebern.
Wir verstehen diese Aktion nicht nur als Dienst an der Bevölkerung, sondern auch als Dienst für das Ordungsamt, das derzeit mit dem Verbieten gar nicht mehr hinterher kommt (Frag nicht, was Dein Ordnungsamt für Dich tun kann – frag, was Du für Dein Ordnungsamt tun kannst: Maßregel Dich selbst!).
Und der Erfolg gibt uns recht: knapp 800 dieser Aufkleber sind mittlerweile in Umlauf und die Anfragen nehmen nicht ab. Das Bedürfnis nach mehr Verboten scheint gigantisch zu sein.
Da das wahllose verbieten zwar eine gesellschaftlich wichtige Aufgabe ist, wir aber auch noch an anderen Fronten zu kämpfen haben, gibt es die Aufkleber nun zum Selbermachen. Im Anhang befinden sich die Dinger als PDFs. Einfach selbstklebende, transparente, bedruckbare Folie in den Drucker legen, drucken, ausschneiden und losverbieten! (Keine Angst, man bekommt sie aber auch immer noch bei uns.)
Auch wenn es sich von selbst verstehen sollte: Das Kleben dieser Verbotsgebote ist in der Öffentlichkeit natürlich strengstens VERBOTEN! und ausschließlich in privaten Räumen gestattet. Und dass irgendjemand unter vier Verbotsschilder an einem einschlägigen Ort in Mainz “verbieten verboten” geklebt hat, ist alles andere als lustig! Und auch über “anmalen verboten” am Gutenberg-Sockel konnten wir so gar nicht lachen!
Nachmachen, das Problem ernst nehmen, diese Mail weiterleiten, die Verbote eigenmächtig ausweiten oder uns Wünsche für weitere Verbote schicken ist hingegen ausdrücklich erwünscht.
Wer keine Lust zum Selberbasteln hat, kann uns entweder ne Mail schicken, im Peng (in Mainz) vorbeigehen oder auf die nächste gONZo Veranstaltung kommen.
Verbotene Grüße,
Euer gONZo verlag
* Für was Verbote so wichtig sein sollen? Jugendlichen z.B. die Grenzen zu nehmen, die sie zu ihrer Bewusstseinsausbildung dringend überschreiten müssen, ist subtile Gehirnwäsche. Aber auch das Verbot als Form des Verzichts als spirituelle Erfahrung spielt hier eine Rolle. Dinge abzulehnen wird auch in polizeipädagogischen Puppenspielen an Kinderinnen und Kinder vermittelt (www.polizei.rlp.de). Und manchmal nehmen Verbote auch einfach Entscheidungen ab: Das muss ich jetzt nicht machen, weil ich’s eh nicht darf. Ach, es gibt viel Gründe… Verbote haben tatsächlich unberechtigter Weise so einen schlechten Ruf!”
Interview mit Thomas Hoeren, Richter am Oberlandesgericht Düsseldorf und Professor für Informationsrecht und Rechtsinformatik an der Universtät Münster, zum Thema Urheberrecht.
