Seid der vor kurzem erwähnten Digital Nation Doku teste ich zur Zeit an kleinen Selbstversuchen wie stark der ganze Onlinerummel meine Konzentrations- und Auffassungsgabe wirklich beeinflusst. Normalerweise fällt mir das nicht sonderlich auf, aber in den letzten Tage und Wochen, die komplett mit den Vorbereitungen meiner Klausuren draufgehen, wird deutlich wie schwer es fällt länger als ein-zwei Stunden wirklich fokussiert zu Arbeiten ohne zwischendurch irgendeinen medialen Input zu bekommen.
Gut, man kann das Ganze unter dem Deckmantel der Prokrastination schönreden und zum allgemeinen Kulturgut unserer Gegenwartskultur erheben, aber ich weiß nicht, die positiven Aspekte sind für mich noch nicht wirklich deutlich. Ist der Tausch 24/7 Information gegen Konzentration wirklich lohnenswert?
Ich weiß nur das wir noch ziemlich am Anfang des Ganzen stehen. Was vor zwei-drei Jahren noch als digitaler Schatten die Realität unterwanderte drängt dann wohl in den kommenden Jahren an die Oberfläche um auch den letzten Quadratmillimeter mit ‘Mehrwert’ zu versehen. Das wird verrückt, und vor allem anstrengend. Der angehängte Film von Kechii Matsuda gibt einen Eindruck. Epilepsi here I come.
Umfassende Doku des PBS über die, zumeist negativen, Folgen der zunehmenden Vernetzung und Digitalisierung.
Während die erste Stunde mit desorientierten Mutitask-Kids, spielsüchtigen Koreanern in Entziehungslagern und der Hilflosigkeit der Digital Imigrants recht polemisch daherkommt, wird’s gegen Ende hin wirklich Interessant.
Um die Neudefinition von Krieg geht es da. Um Soldaten die ihre Uniform tragen müssen damit sich das Töten via Joystick reeller anfühlt oder auch um die Herstellung virtueller Klone in weniger als fünfzehn Minuten.
“Analysts agree that, within a couple of years, there will be over a trillion information devices connected to the global network. One trillion is a huge number.
[…]
MAYA’s research is about understanding what it will take for your products and services to fit into––and survive––a trillion-node world. Our mission is to help your company invent a profitable future through deep research, technological innovation and actionable results.”
Wer kennt es nicht? Es gilt zu konzentriert zu schreiben doch zehn offene Tabs, Messenger, Twitterclient, Mail, etc. wissen das gekonnt zu verhindern. Prokrastinations overkill to the fullest.
Abhilfe soll da Herraiz SotosOmmwriter schaffen. Als Gralshüter der Konzentration soll er den Schwung zurück in die Schrift bringen:
“Ommwriter is a humble attempt to recapture what technology has snatched away from us today: our capacity to concentrate.
Ommwriter is a simple text processor that firmly believes in making writing a pleasure once again, vindicating the close relationship between writer and paper. The more intimate the relation, the smoother the flow of inspiration.
If you are a scriptwriter, blogger, journalist, copywriter, poet or just someone who enjoys writing, welcome back to concentrating.”
Den Nutzen stelle ich mich (zumindest für mich) in Frage, dennoch recht schick das Ganze.
Festival Dokus sind diese Saison ja irgendwie dass, was vor einer halben Ewigkeit mal Neonschwenkdinger und Megaphone für Kleinstadtecknoparties waren. Ein Verschleierung der Realität die erstaunlicherweise die Macht hat Dinge am Ende doch tausendfach cooler zu machen als sie eigentlich sein sollten.
Nun also das Immergut. Ich bin ja selbst zu sehr AntiFestivalMensch um den wirklichen Charme von so einem Wochenende vernünftig beurteilen zu können, aber dass was ich vom Immergut halte bestägt der zweite Trailer zur Doku während 0:48-0:56 auf angenehme Art und Weise. Yes, keine Rennräder, geschweige denn SingleSpeeds oder Fixies, sondern alte, verklapperte Drecksdinger knallt uns Hagen Decker da hin. Das Symbol kleinstädtischer Teenage Angst pubertierender Indiekids.
So zumindest stelle ich mich dass vor. Dieses Leben da in Mittel- und Norddeutschland, diese Jugend in solchen Orten wie Salzgitter bevor alle nach Berlin oder Hamburg ziehen. Und so cool das ganze ja auch rüberkommen kann, so gerne man wünscht damals auch so eine tolle Indiedorfjugend gehabt zu haben, mit der einen Kneipe und Bier im Sommer am See, naja, so cool ist es dann am Ende ja doch alles nicht.
Jaja…diese Künstlertypen. Da Marktwert ja auch, vor allem in der Kunstwelt, immer noch was mit Subversivität zu tun hat schnappen sich ein Horde verrückter New Yorker, angeführt von Keith Haskel, Pinsel und weiße Farbe und überstreichen illegal angebrachte (!) Werbung. Baaaang. Den haben die es gezeigt. Der Kapitalismus kotzt bis das Establishment daran erstickt.
Neh, immer ernst. Normalerweise finde ich so was ja eigentlich toll. Reclaime the Streets und so. Bin wohl einfach zu müde…
Wie vor einem halben Jahr, ruft Kai von Stylespion erneut zur Ein ♥ Für Blogs auf:
Am kommenden Freitag, den 16.10.09, veröffentlichen alle, die darauf Lust haben, einen Beitrag mit dem Titel “Ein ♥ für Blogs” in dem sie ihre lesenswerten deutschsprachigen Blogs vorstellen – das darf sollte dann auch mal über den eigenen Blogtellerrand hinausgehen.
Im Idealfalle entdecken wir alle neue Perlen und sorgen dafür, dass man sich untereinander ein wenig vernetzt (ja, so wie früher!).
Obwohl ich letztes Mal bereits darauf hingewiesen hatte, hab ich es letztendlich doch leider versäumt an der Aktion teilzunehmen. Ein halbes Jahr später sehen die Anzeichen dafür wohl etwas besser aus…
Aus der Welt der Massenmedien ist eine der Medienmassen geworden. Das Internet hat die ökonomische Basis von Medien und Journalismus auf den Kopf gestellt: Nicht mehr Berichterstattung ist ein rares Gut, sondern die Aufmerksamkeit des Publikums. Das hat schwerwiegende wirtschaftliche Folgen: wegbrechende Auflagen und Anzeigenerlöse können Verlage nur zu einem geringen Teil durch Online-Werbung kompensieren.
Wie also soll Journalismus künftig finanziert werden? Die Verleger fühlen sich von Google enteignet und verlangen staatliches Eingreifen, einige denken laut über Bezahlinhalte nach, und in den USA übernehmen bereits gemeinnützige Stiftungen die Finanzierung investigativer Reportagen. Derweil verdienen journalistische Einzelkämpfer, wie beispielsweise Technologie-Blogger, gutes Geld. Was machen sie anders? Und: Wäre es denkbar, dass künftig Leser selbst Journalisten für ihre Reportagen bezahlen?